Hinweise auf den aktuellen Vortrag

 

Informationen zu der Veranstaltung im Januar 2020

 

 

VA-Nr.:
Veranstaltung Nr. 1/2020
Thema:

Zur Ideengeschichte des Selbstbewusstseins

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Referentin:
Prof. Dr. Matthias Bormuth Oldenburg
Datum:
Donnerstag, den 09.01.2020, 20.00 Uhr
Ort:
Hochschule Bremerhaven, An der Karlstadt 8, Haus T, Raum T 001 (Achtung!! Ausnahme)
Inhalt:
 

 


 

 

 

Zum Vortrag

 
Die Idee des Selbstbewusstseins gehört zum Westen, der Gedanke entsprang im Abendland. Sie entstand in der griechischen Antike, verkörpert vor allem in der Figur des Sokrates, und entwickelte sich über die christliche Welt, die im spätrömischen Reich in Augustinus ihren rhetorisch und philosophisch geschulten Vordenker besaß. Die Rückkehr in sich selbst, das Verstehen der subjektiven Realität spiegelt sich vor allem in seinen Bekenntnissen. Wo bei Sokrates das unbestimmte Daimonion das innere Gegenüber bildete, setzte der Kirchenvater das göttliche Du als Dialogpartner, an dem das menschliche Ich zu sich finden konnte.

 

Rund eintausend Jahre später wurden in Renaissance und Reformation neue Akzente gesetzt. In der Wiederkehr der antiken Autoren erwachte das Selbstbewusstsein des Individuums von neuem, während der innerkirchliche Protest vor allem in der Gestalt Martin Luthers die Dimension des persönlichen Gewissens entdeckte, das im Zusammenspiel mit dem göttlichen Wort eine Dynamisierung des menschlichen Autonomiebestrebens mit sich brachte.

 

Diese antike und neuzeitliche Entfaltung des humanen Selbstbewusstseins griff in der Moderne Friedrich Nietzsche in ihren spannungsreichen Facetten auf. Seine Philosophie erhellt die Aporien und Ekstasen, die das Selbstbewusstsein zu einem prekären Phänomen machen. Denn der in Descartes erstmals formulierte Versuch, sich ganz in der eigenen Nachdenklichkeit zu gründen, wurde von Nietzsche bei aller Begeisterung in seiner letzten Bodenlosigkeit erkannt. Sein Denken spiegelte gleichsam die gegenläufigen Tendenzen eines kritischen wie spekulativen Selbstbewusstseins, das im deutschen Idealismus zu einzigartiger Blüte gekommen war.

 

Der Vortrag schließt mit Überlegungen, was der moderne Mensch aus dieser Problemgeschichte des selbstbewussten Denkens lernen kann?