Hinweise auf den aktuellen Vortrag

 

Informationen zu der Veranstaltung im Februar 2020

 

 

VA-Nr.:
Veranstaltung Nr. 2/2020
Thema:

Reflexivität als Prinzip - oder warum das Ich nicht abgeschafft werden kann

Überlegungen zum Erbe des Deutschen Idealismus

 

Referentin:
Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann, Hagen
Datum:
Donnerstag, den 20.02.2020, 20.00 Uhr
Ort:
Hochschule Bremerhaven, An der Karlstadt 8,  Haus S, Raum S207
Inhalt:
 

 


 

 

 

Zum Vortrag

 
Kants epochale „Revolution der Denkart“, die der Deutsche Idealismus aufgegriffen und weiterentwickelt hat, kann in verschiedenen Thesen zusammenfassend dargestellt werden: so in der These, daß ein eigentliches Objektbewußtsein nicht ohne Selbstbewußtsein möglich ist, so auch in der noch einmal weitergehenden These, daß unserem praktischen Selbstverhältnis ein Primat gegenüber jedem theoretischen Weltverhältnis zukommt. Kant hat damit dem reflexiven Wissen – und mit ihm der Subjektivität und der Freiheit – den Rang von unhintergehbaren Prinzipien gegeben.
Gleichwohl sind auch nach Kant Selbstbilder des Menschen entwickelt worden und immer wieder auch in Mode gekommen, die erneut durch eine Vergegenständlichung des Bewußtseins, eine Verdinglichung des Menschen, wenn nicht sogar durch die Ankündigung einer technisch vermittelten Überwindung des Menschen gekennzeichnet sind. Neue Versionen des Determinismus und Naturalismus sind hier ebenso zu nennen wie Fragen rund um eine „Überbietung“ menschlichen Wissens durch die Künstliche Intelligenz oder die utopistische Ankündigung einer „Verbesserung“ des Menschen durch ein pharmakologisch und informationstechnologisch basiertes „Human enhancement“.
Der Vortrag wird sich ebenso mit den Denkvoraussetzungen wie mit den auch praktischen Implikationen aller Versuche, die Kantischen Einsichten zu überspringen, befassen. Er wird dabei unter anderem aufzeigen, worin die Denkfehler bei dem Versuch, den Menschen durch seine eigenen Artefakte zu substituieren, bestehen. Und er wird zugleich daran erinnern, worin auch im technologischen Zeitalter die Grundlagen echter Humanität bestehen, die ohne ein kultiviertes Freiheitsbewußtsein wie auch ohne Anknüpfung bei einer unverkürzt verstandenen, elementaren Sprachlichkeit des Menschen nicht zu Bewußtsein gebracht werden können.

Zur Person

 

Studium der Philosophie, Ev. Theologie und Italianistik in Tübingen, Wien und Bonn;
Promotion mit einer Studie zu Kant und Hegel, danach Assistenz in Bonn; dort Habilitation mit einer Studie zum philosophischen Begriff der Natur (1999).
Nach mehreren Lehrstuhlvertretungen, der Mitarbeit in dem DFG-Forschungsprojekt „Kulturübergreifende Bioethik“ an der Ruhr-Universität in Bochum und der Ernennung zum Außerplanmäßigen Professor in Bonn (2005) Ruf auf den Lehrstuhl für Praktische Philosophie I: Ethik, Recht Ökonomie an der Fernuniversität in Hagen (2009).
Karl Jaspers-Förderpreis der Universität Oldenburg (2007); Mitglied der Arbeitsgruppe „Internationale Aspekte der Bioethik“ der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) (2007-2009).
Gastprofessuren in Linz, Mendoza und Bogotá; Initiator und Koordinator des Deutsch-lateinamerikanischen Forschungs- und Promotionsnetzwerks FILORED.
Aktuelle Forschungsschwerpunkte: Kant und der Deutsche Idealismus; Rechtsphilosophie; Wirtschaftsphilosophie; Integrative Bioethik.

 

 

 Literatur

 

  • Die absolute Form. Modalität, Individualität und das Prinzip der Philosophie nach Kant und Hegel, Walter de Gruyter: Berlin/New York 1991, Reprint 2012; Übersetzung ins Englische: Brill: Leiden / Boston 2020.
  • Aufhebung der Transzendentalphilosophie? Systematische Beiträge zu Würdigung, Fortentwicklung und Kritik des transzendentalen Ansatzes zwischen Kant und Hegel, hrsg. zusammen mit Franz Ungler, Königshausen & Neumann: Würzburg 1994.
  • Philosophische Physiologie. Eine Systematik des Begriffs der Natur im Spiegel der Geschichte der Philosophie, Frommann-Holzboog: Stuttgart-Bad Cannstatt 2003 (Quaestiones Bd. 14).
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Eine Propädeutik, Marix: Wiesbaden 2004; 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage 2012; 3. Auflage 2015 (E-Book-Ausgabe 2013); 4. Aufl. 2020 (im Erscheinen) (auch übersetzt ins Spanische und Englische).
  • Normkultur versus Nutzenkultur. Über kulturelle Kontexte von Bioethik und Biorecht, hrsg. zusammen mit Walter Schweidler, Walter de Gruyter: Berlin / New Yor­k 2006 (E-Book-Ausgabe 2006).
  • Philosophie in Italien. Eine Einführung in 20 Porträts, Marix: Wiesbaden 2007.
  • Hegel als Schlüsseldenker der modernen Welt. Beiträge zur Deutung der „Phänomenologie des Geistes“ aus Anlaß ihres 200-Jahr-Jubiläums, Meiner: Hamburg 2009 (Hegel-Studien Beihefte 50) (E-Book-Ausgabe 2009).
  • Ansätze und Perspektiven von der Antike bis heute, Marix: Wiesbaden 2009 (E-Book-Ausgabe 2012).
  • Grundbegriffe des Praktischen, hrsg. von Thomas Sören Hoffmann, Verlag Karl Alber: Freiburg / München 2014, 2. Aufl. 2015 (E-Book-Ausgabe 2016).
  • Was heißt: In Würde sterben? Wider die Normalisierung des Tötens, hrsg. zusammen mit Marcus Knaup, Springer VS: Wiesbaden 2015.
           
  • Metaphysik – Metaphysikkritik – Neubegründung der Erkenntnis: Der Ertrag der Denkbewegung von Kant bis Hegel, hrsg. zusammen mit Héctor Ferreiro, Duncker und Humblot: Berlin 2017 (Begriff und Konkretion. Beiträge zur Gegenwart der klassischen deutschen Philosophie Bd. 5).
  • Hegel und das Programm einer philosophischen Enzyklopädie, hrsg. zusammen mit Hardy Neumann, Duncker und Humblot: Berlin 2019 (Begriff und Konkretion. Beiträge zur Gegenwart der klassischen deutschen Philosophie Bd. 8).